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Donnerstag, 25. März 2021 Von Christina Ott
Barfuß im Regen

Wenn der Optimismus schwindet...

Über Optimismus wollte ich schreiben. Doch die Umstände sind denkbar schlecht dafür. Schlimmer noch: Die allgemeine Stimmung ist kurz davor zu kippen. Inzidenzzahlen schnellen nach oben, jeglicher Optimismus sackt in den Keller. Unbeschwerter Frühling? Ostern wie gewohnt? Wohl kaum. Selbst eingefleischte Optimisten knirschen mit den Zähnen. Sie haben es einfach nur satt. In meiner Erinnerung lebt auf, was Teilnehmer einer Outdoor-Freizeit erzählten. Sie starten als Jugendgruppe in Richtung Värmland/Südschweden. Ausgestattet mit Paddelbooten und Zelten stürzten sie sich ins Abenteuer. Ihre Kleidung und alle Lebensmittel wurde in Plastiktonnen gesteckt. Deckel drauf – trocken und sicher. Doch alles kam anders.

Damit die Stimmung nicht kippt


Der erste Regentag war noch gut zu verkraften. Doch täglich wurde es schwieriger. Der morgendliche Blick aus dem Zelt zeigte feuchten Nebel. 

Beim Essenkochen bekamen die Teilnehmer klamme Finger. Abends schlüpften sie ins nasse Zelt und wurden morgens wieder von trommelndem Regen geweckt. Das Nervenkostüm der Jugendlichen wurde mit jedem weiteren Tag dünner. Sie stöhnten. Eine Leiterin war besonders begabt darin, positiv auf die Stimmung einzuwirken. Sie stimmte ein Liedchen an, verteilte zum richtigen Zeitpunkt Schokolade oder übte zur allgemeinen Erheiterung im Padelboot einen Kopfstand. Gegen Ende der Freizeit brach die Sonne doch durch. Das gigantische Farbenspiel des skandinavischen Himmels ließ alle wiederaufleben.

Vielleicht sagst Du jetzt: „Wenn wir wenigstens nur Dauerregen hätten. Das wäre mir viel lieber, als dieses fiese Corona Virus mit seinen Mutationen!“ Stimmt, ich gebe Dir recht. Zumindest, solange ich im Trockenen sitze. Kürzlich war noch vom „vorsichtige Optimismus“ die Rede. Doch der ist geplatzt wie eine Seifenblase. Für viele öffnet sich abgrundartig das Stimmungstief. Jegliche Belastbarkeit scheint ausgeschöpft zu sein. Fast jeder gibt lautstark seine Einschätzung zum Besten, auch wenn sie nicht wirklich „zum Besten“ dient. Neulich erlebte ich das beim Friseur.

Pessimismus beim Friseur


Mein ersehnter Wohlfühltermin wurde zur Qual. Ein Stichwort im Radio genügte und die Anwesenden redeten sich in Rage. Sie teilten mit Vehemenz ihre Meinung. So war die Stimmung im Salon schon morgens kurz nach acht hochexplosiv. Selbst als optimistischer Mensch hatte ich Mühe, meine freundliche Gestimmtheit zu behalten. Ich spürte: Pessimismus zieht Kraft - und er zieht auch Kreise.

Charlie Rivel, ein spanischer Clown, sagte: „Der Optimist hat nicht weniger oft unrecht als der Pessimist, aber er lebt froher.“ Stimmt das? Bleibt das Leben gleich, nur der Blickwinkel unterscheidet sich? Ist der Optimist besser dran, auch wenn sich zuversichtliche Erwartungen nicht erfüllen? Dann wäre alles nur eine Frage der Brille, durch die man sieht. Ich glaube, es geschieht noch mehr. Beim Pessimisten verengt sich zunehmend die Perspektive. Das wirkt sich auf Denken, Fühlen und Handeln aus. Der Optimist stellt seine Weichen anders. Dadurch nimmt er Einfluss auf sein Leben. Und von ihm geht etwas aus, das auch anderen guttut.

Stärkende Gedanken nähren den Optimismus


Wenn Du Deinen Optimismus aufspannen könntest wie einen Regenschirm - Was würdest Du dann denken? Was würdest Du sagen? Was würdest Du tun? „Man muss sich durch die kleinen Gedanken, die einen ärgern, immer wieder hindurchfinden zu den großen Gedanken, die einen stärken.“ So Dietrich Bonhoeffer, ein Theologe, der gegen das Nazi Regime ankämpfte. Zugegeben: viele ärgerliche Gedanken sind im Moment nicht mehr klein. Umso dringender brauchen wir ein Gegengewicht. Zu stärkenden Gedanken kommen wir, indem wir unsere Aufmerksamkeit in die richtige Richtung lenken. Deshalb ist heute meine Frage an Dich: Was sind die großen Gedanken, die Dich stärken? Woraus ziehst Du Kraft?

Für mich ist es das Vertrauen, dass Gott alles in seiner Hand hält. Ich spanne meinen Glauben auf wie einen Schirm. Er bietet Raum, nicht nur für mich. Mit nassen Füssen laufe ich ausdauernd weiter.

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Ich poliere kleine Fundstücke des Alltags und halte sie ins Licht der Psychologie und des christlichen Glaubens, bis sie beginnen zu funkeln.

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