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Donnerstag, 25. November 2021 Von Christina Ott
Kleine Radfahrerin

Du bist zäher als Du denkst!

Natürlich wirkt es attraktiver, schön und klug zu sein als zäh. Doch unterschätze niemals diese Eigenschaft. Und schon gar nicht jetzt! Manche laufen Marathon, andere den Jakobsweg. Sind das die wirklich Zähen? Zweifellos und deutlich sichtbar. Mit Widerstandskraft selbst erkämpft, bei Wind und Wetter durchgezogen. Eine wirklich tolle Leistung!

Doch Halt mal. Zähe gibt´s noch mehr. Du findest sie in Alltag, ganz in Deiner Nähe. Sie kommen Dir entgegen, verkleidet als normale Menschen. Augen auf, dann kannst Du sie entdecken. Beim Hinhören fällt auf: Ihr Leben ist nicht leicht. 

Doch sie bewähren sich, trotz aller Alltagssorgen. Sind strapazierfähig, beharrlich. Verzweifeln nicht unter harten Lebensumständen. Vertrauen darauf, dass sich Lösungen finden und dass auch sie einen Teil dafür tun können. Sie zapfen eine Kraft an, die größer ist, als ihr eigenes kleines Licht.

Widerstandskraft pulsiert in Dir


Wieviel Widerstandskraft steckt in Dir? Auch falls Du selbst es nicht so siehst – es ist wohl eine ganze Menge. Sonst hättest Du niemals Radfahren gelernt, denn dabei holt jedes Kind sich ordentliche Schrammen. Doch Du bist wieder aufgestanden, hast Dein blutendes Knie abgetupft und weiter in die Pedale getreten. Bis es ganz selbstverständlich ging. Du hast Herausforderungen gemeistert, Lösungen gesucht, Antworten gefunden, Irrtümer korrigiert und Neues für Dich daraus gelernt. Die Widerstandskraft pulsiert in Dir, sonst hättest du längst aufgegeben - in diesem Marathon, den wir das Leben nennen. Ist dieser Gedanke nicht ein Lächeln wert, anerkennend auf Deinem eigenen Gesicht? 

Vom zähen, grünen Strampeltier


Bestimmt kennst Du die Geschichte vom Frosch, der in einen Milcheimer fiel. Doch statt über das Schicksal zu jammern, wie es sein Froschnachbar tat, fing er einfach an zu strampeln. Er trat was das Zeug hielt, und – er hatte Glück. Denn dabei verfestigte sich die Milch, bis sie schließlich Butter wurde. Letztlich konnte unser Frosch zufrieden aus dem Eimer hüpfen.

Ha, tolle Strategie. Wie cool wäre es, wenn das so einfach funktionieren würde, auch in Corona Zeiten! Wir müssten nur voller Energie treten. Also entschlossen ankämpfen gegen alle Widrigkeiten, wild mit Posts um uns schlagen und so viel Wind machen wie möglich. Und schließlich hüpften wir aus dem Pandemieeimer mit unserem „Sag ich´s doch" - Lächeln“. Doch die Froschfabel hat einen Haken, der ist die Flüssigkeit im Eimer. Die Strategie greift nämlich nur, wenn sich im Eimer Milch befindet. Genau das ist nicht der Fall.

Strampeln oder Luft anhalten?


Diese Fabel ist nur bedingt zur Nachahmung geeignet. Das schrieb Rudolf Dreikurs (Psychiater und Sozialtherapeut, 1897 – 1972) schon vor Jahrzehnten. Er gibt einen Fakt zu denken, der nicht nur einmal so passierte. Schauplatz ist die Donau nahe Wien, mit Strömungen und Wirbeln. Jährlich ertrinken dort einige Schwimmer. Wie bedauerlich. Es wäre zu vermeiden, wenn die Betroffenen das Richtige täten. Sie müssten nur die Luft anhalten, solange die Strömung nach unten zieht. Nach kurzer Zeit würde das Wasser sie wieder nach oben tragen. Doch stattdessen kämpfen die verzweifelten Schwimmer gegen die Strömung, bis sie ertrinken, völlig erschöpft. 

Anvertrauen und abwarten


Je aktiver, desto besser? Das kann man so nicht sagen. Es zeigt sich offensichtlich: strampeln kann das Falsche sein. Das halte ich für ein hilfreiches Bild in den Stromschnellen unserer Zeiten. Jemand meinte tatsächlich im Netz, die zähe Person kämpft - gegen andere und gegen das Leben. Autsch, da wird es Scherben geben. Wozu soll das nützen? Doch anvertrauen und abwarten bringt uns manchmal weiter. Das ist auch meine Strategie: dem Leben vertrauen und dem Einen, der unser aller Leben trägt. Mitgehen mit dem, was gerade geschieht. Vielleicht hast Du Lust, es zu probieren. Vertrau Dich an und warte ab. Auch das ist eine Form von Zähigkeit.

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Ich poliere kleine Fundstücke des Alltags und halte sie ins Licht der Psychologie und des christlichen Glaubens, bis sie beginnen zu funkeln.

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